Jorge Garcia: Ethnicity matters!

Mittwoch, 01. Juli 2009 23:05 von Evi Chantzi

Der Philosoph Jorge Garcia betrachtet ethnische Herkunft als eines der wichtigsten Identitätskriterien überhaupt. Seiner Ansicht nach, ist Kultur für Gesellschaften, in denen viele unterschiedliche soziale Identitäten vorherrschen, nicht das ausschlaggebende Kriterium. Was den bedeutenden Unterschied ausmacht, sind immer noch Kategorien wie „Rasse“ und Ethnizität. Vor allem Letztere ist ein derart wichtiger und natürlicher Bestandteil der menschlichen Identität, dass sie nicht eliminiert werden kann. Ethnizität stellt die Zugehörigkeit zu einer großen Familie dar und ist die Nabelschnur zwischen uns und unseren Vorfahren, deren Geschichte wir unabweislich in uns tragen.

Da wir uns unmöglich von der ethnischen Identität lossagen können, plädiert Garcia für die Abschaffung der ethnischen Nation und der Einführung einer multiethnischen Nation, also einer Nation, die sich über mehr als nur eine Ethnie definiert. Auch weist Garcia darauf hin, dass es den reinen ethnischen Nationalstaat niemals gegeben hat. Nationalstaaten haben schon immer mehrere Volksgruppe und Ethnien beherbergt. Wir haben uns lediglich an die Idee eines historischen Konstrukts gewöhnt und glauben immer noch, es handele sich bei Ethnizität und Nationalität um ein und dieselbe Sache.

Doch wie entkoppelt man Ethnizität und Nationalität? Garcia schlägt vor, Nationalität als ein rein politisches Gebilde zu definieren, das losgelöst ist von der Definition über eine bestimmten Sprache oder einem gegebenem Wertesystem. So würde die Nation das administrative und politische Organ einer Gesellschaft darstellen, das jenseits der Interessen einer führenden ethnischen Gruppe agiert. Ethnizität hingegen möchte Garcia als ein flexibles und wandelfähiges Identitätsfeld verstanden wissen, das Änderungen verkraftet und diese auch ermöglicht. Ethnizität ist elastisch und kann neue Werte aufnehmen ohne dabei den Bezug zur eigenen historischen Vergangenheit zu verlieren.

Das Ziel einer solchen Entkoppelung wäre nicht die multikulturelle, sondern die konviviale Gesellschaft. Also  kein hierarchisch gegliedertes Nebeneinander der Kulturen, sondern ein gleichberechtigtes Miteinander in einer ethnisch neutralen Gesellschaft. In einer solchen Gesellschaft wäre der ewige Wettstreit um die Vormachtstellung einer bestimmten Ethnie überflüssig, weshalb man sich der eigentlichen Herausforderung widmen könnte: der Definition neuer politischer Ideen und Konzepte für das 21. Jahrhundert!

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