Nevim Çil: Multikulti - die Ethnisierung schlechthin!

Mittwoch, 01. Juli 2009 23:08 von Evi Chantzi

Die Migrationsforscherin Nevim Çil konzentriert sich in ihren Ausführungen lediglich auf den Multikulturalismus in Deutschland. Das ist auch gut so, denn der Kontext, in welchem sich die Multikulturalismus-Debatte hierzulande entfaltet hat, unterscheidet sich maßgeblich von demjenigen der klassischen Einwanderungsländer wie es die USA, Kanada oder Australien sind.

Nevim Çil stellt fest, dass der Multikulturalismus, wie er in Deutschland verstanden und praktiziert wurde, die Ethnisierung von Menschen mit einem Migrationshintergrund überhaupt erst möglich gemacht hat. Denn ein wesentliches Merkmal des als Multikulturalismus bekannt gewordenen Verfahrens ist es gewesen, die Ethnie in den Vordergrund zu heben, getreu dem Prinzip: viele Kulturen nebeneinander. Doch hat eben dieser Ansatz zur fatalen Trennung geführt zwischen Kulturen, die „deutsch“ und solche die „nicht-deutsch“ sind. Durch die ständige Betonung des ethnisch-kulturellen Hintergrunds wurde Migranten jegliche Möglichkeit genommen, sich als deutsch zu definieren, selbst wenn sie es so wünschten. Ihnen blieb folglich nur die Reaktion aus der Ethnie heraus und das Selbstverständnis fremd zu sein.

Çil warnt auch vor einem allzu leichtfertigen Umgang mit dem zurzeit angesagten „Diversity“-Ansatz. Dieser mag zwar das Bewusstsein dafür schärfen, dass nicht alle Migranten die gleiche Migrationsgeschichte teilen und es folglich wichtig ist, zwischen ihnen genauer zu unterscheiden. Ebenso hinterfragt „Diversity“ die Rolle der Ethnie als einzig und alleinige Identätskomponente und berücksichtigt auch Faktoren wie gender, Bildungshintergrund etc. Solange aber der „Diversity“-Ansatz im Sinne eines Mehrheits-Wir operiert, das nicht bereit ist, sich zu transformieren und Minderheitenkulturen als selbstverständlichen  Teil seiner Identität zu betrachten, werden Migranten weiterhin Migranten bleiben  – diesmal zwar nicht in der multikulturellen, dafür aber in der diversen Gesellschaft.

Was soviel heißt, wie: Neues Label, gleicher Inhalt! (Siehe auch Blogeintrag: Herkunft als Schicksal)

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