Zur Kritik des transatlantischen Dialogs

Der Graben, der sich mit dem zweiten Irak-Krieg auftat, sei tiefer als bislang erkannt, davor warnen Daniel Hamilton und Dan Diner, sehen doch beide im transatlantischen Dialog eine vitale Notwendigkeit. Daniel Hamilton, Leiter des Center for Transatlantic Relations in Washington und unter Madeleine Albright stellvertretender Direktor des Planungsstabes, konstatiert eine Ambivalenz der US-amerikanischen Politik gegenüber Europa: Ist ein starkes eigenständiges Europa denn noch wünschenswert angesichts seiner Entschlusslosigkeit und abnehmenden Bedeutung in den internationalen Konflikten? Der Historiker Dan Diner (Leipzig und Jerusalem) hat mit „Feindbild Amerika“ die lange Geschichte des deutschen Antiamerikanismus als angstvoll-ablehnende Haltung einer traditionsorientierten Gesellschaft gegenüber einer von den USA repräsentierten Moderne beschrieben.
Moderation: Robert von Rimscha (Journalist, Berlin)

Feindbild “modernes” Amerika?

Samstag, 22. September 2007 19:45 von Günter Bartsch

Dan Diner habe mit “Feindbild Amerika” die lange Geschichte des deutschen Antiamerikanismus als angstvoll-ablehnende Haltung einer traditionsorientierten Gesellschaft gegenüber einer von den USA repräsentierten Moderne beschrieben, heißt es in der Ankündigung des heutigen Abends. Aber gilt das heute noch? Sind die Vereinigten Staaten mit ihrer Politik militärischer Stärke, des Unilateralismus und der “coalitions of the willing” nicht längst in der Vormoderne gelandet?

Wir sind gespannt, ob Dan Diner und Daniel Hamilton diese Fragen heute abend beantworten werden. Während in diesen Minuten vor dem Brandenburger Tor demonstriert wird (übrigens durchaus passend zum gestrigen Thema der Transatlantischen Gespräche), bertreten die ersten Besucher den Theatersaal der Kongresshalle.

America and Europe - how do we perceive each other?

Samstag, 22. September 2007 19:56 von Jennifer Brandt

After debating the respective role of the constitutional courts and the integration of the people into politics in Germany and America, specifically in times of terrorist threats, the focus of the lecture today is on the transatlantic dialogue itself.
What is the current situation, what are the topics dominating the transatlantic relations? What does America expect from Europe and, vice versa, how does Europe perceive America?
The topic of today is an interesting one, in particular in terms of the developments after 09/11. Due to the invited speakers the event is very promising: They are hopefully going to approach the questions above from different perspectives. While Daniel Hamilton, who has held a variety of senior positions in the US Department of State, will hopefully offer some political insights; I am as well exited about Dan Diner’s historical point of view.

Entfremdung oder solides Fundament?

Samstag, 22. September 2007 20:28 von Günter Bartsch

Moderator Robert von Rimscha - früher Journalist, heute Sprecher der FDP - spricht in seiner Einführung die zwei Großthesen an, die bei der Analyse des deutsch-amerikanischen Verhältnisses gegeneinander stehen: Auf der einen Seite die Feststellung eines nach wie vor auf solidem Fundament stehenden Verhältnisses (Bestand der Wertegemeinschaft trotz aller Irritationen, die es immer gab) – auf der anderen Seite die These der Entfremdung, des Auseinanderdriftens mit verschiedenen Erklärungen: Mars und Venus, harte Gewalt (USA) vs. soft power (Europa), Abkehr von Multilateralismus und Völkerrecht (Vorwurf gegenüber den USA) vs. Nicht-Annahme der Herausforderungen nach dem 11. September (Vorwurf gegenüber Europa).

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A Foundation of Friendship vs. Alienation and Drifting Apart

Samstag, 22. September 2007 20:29 von Jens Roesener

In tonight’s lecture on the “Critique of the Transatlantic Dialogue”, we may expect that tonight’s speakers Dan Diner (director of the center for Transatlantic Relations and associate director of policy planning under Madeleine Albright) and Daniel Hamilton (director of the Simon Dubnov Institute for Jewish History and Culture, Leipzig and Israel) agree in a very important aspect: The Transatlantic Dialogue is important in order to bridge the rift that has deepened between Germany and the US. So, what are the foundations that keep the transatlantic dialogue together?

Moderator Robert von Rimscha, journalist and spokesman of the German Liberal Party FDP , announces that it is slightly difficult to give a clear answer to this question. A thesis exists that speaks of alienation and drifting apart. In contrast to that, von Rimscha points out that the transatlantic Relation is founded on a solid basis. The foundations of friendship also exist in the transatlantic dialogue. Von Rimscha therefore emphasises what has already been pointed out in the previous lectures by Mr Steinmeier and Mr Rifkin. It goes without saying that dissonances exist but one should also bear in mind that Germany and the US have much in common. Hopefully tonight’s guests will address the dissonances and will join a fruitful debate with the audience.

Diner: Strukturelle Entfremdung

Samstag, 22. September 2007 20:37 von Günter Bartsch

Dan Diner stellt in seinem Vortrag die Frage, ob die Entfremdung zwischen den USA und Europa strukturell oder nur konjunkturell ist. Letzteres bezweifelt Diner. Er rechnet vielmehr mit weiteren Verwerfungen in der Zukunft.

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Europa und die Vereinigten Staaten seien Ausdruck von zweierlei Formen des Westens: Gehe man in der Geschichte zurück, handele es sich um “verkehrte Welten”.

Diner führt zur Erklärung der transatlantischen Beziehungen zwei gegeneinander stehende Tendenzen der Interpretation der Europäischen Einigung: Die Fortentwicklung einer am Anfang stehenden europäischen Idee einerseits. Andererseits Europa als eine Geburt des Kalten Krieges aufgrund des Druckes des Ost-West-Konflikts (v.a. der sowjetischen Bedrohung), mit den USA als Paten dieser Entwicklung.

Zunehmend werde sichtbar, dass Europa mit der Ost-Erweiterung an die Grenze seiner Integration gestoßen sei, die es erforderlich machen würde, zu einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik zu kommen - ohne diese werde Europa nicht handlungsfähig sein in Analogie zu den USA.

Doch dazu werde Europa nicht in der Lage sein - da es auf einer Struktur der Koordination und des Konsens beruhe.  Genau das aber sowie die Sollbruchstellen der verschiedenen europäischen Traditionen führe zu keiner gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik.

“…doch sie sind ganz verschieden”

Samstag, 22. September 2007 20:43 von Günter Bartsch

“Europa und Amerika mögen sich ähnlich scheinen – aber sie sind ganz verschieden”, sagt Diner und macht dies fest an den unterschiedlichen Traditionen der westlichen Aufklärung (auch innerhalb Europas). Die Unterschiede seien immer latent gewesen, würden nun aber zunehmend virulent. In Zukunft werde ein Transatlantismus ganz anders sein als in der Vergangenheit.